Alternative Tabellen

1. Revolution von 1989

Vor einiger Zeit brachte der Kicker einen Artikel heraus, welcher sich mit den Ideen des damaligen Liga-Ausschuss befasste. Es wurde also schon vor 28 Jahren an Ideen gewerkelt, die Bundesliga für „den Zuschauer attraktiver“ zu machen und „vom reinen Fernsehsport“ wieder zu entfernen. Kurios hierbei: Es sollte vielleicht das einzige Mal bleiben, dass Uli Hoeneß und Willie Lemke einer Meinung waren. Allein die Sicherheitsbedenken und der Vorwurf des Kommerzes machten folgende Ideen zunichte. Den Artikel gibt es hier zum Nachlesen. Geplant war nämlich eine Art Europapokal Modus, in welcher zwei Gegner innerhalb einer Woche zwei Partien (also ein Hin- und Rückspiel) gegeneinander austragen sollten. Für den Sieger einer Partie hätte es zwei Punkte
gegeben, für ein Unentschieden einen Punkt. Für den Gesamtsieger beider Partien hätte es einen fünften Bonuspunkt gegeben. Wie im Europapokal käme hierbei auch die Auswärtstorregel zum Tragen. Wäre es nach beiden Spielen und trotz Auswärtstorregelung zu einem Unentschieden gekommen, hätte es direkt nach dem zweiten Spiel ein Elfmeterschießen um den Bonuspunkt gegeben. Um diese Tabelle zu erstellen konnte ich mich umstandslos an die Ergebnisse der letzten Bundesliga Saison wenden. Wenn es doch mal zu einem „Gesamtunentschieden“ kam (übrigens viel öfter, als ich angenommen habe, in etwa einem Sechstel aller Doppelpaarungen), habe ich mich der ewigen Elfmeterstatistik der Bundesligavereine bedient um die Effektivität der Bundesligavereine bei Elfmetern zu bestimmen. Mir ist bewusst, dass diese Statistik keinem realen Vergleich standhalten kann (werden doch nicht aktive Spieler berücksichtig, außerdem steigt die Wahrscheinlichkeit eines Fehlschusses automatisch, sobald mehr Elfmeter geschossen werden –Vereine, die noch neu in der Bundesliga sind, sind also klar im Vorteil) aber für diese Spielerei soll dieser „Wert“ erstmal genügen. Wer also eine bessere Quote in dieser Statistik aufweisen kann, gewinnt in dieser Simulation das Elfmeterschießen. Diese Tabelle zeigt jedoch kaum Veränderungen zur tatsächlichen Abschlusstabelle. Freiburg würde bei diesem Vergleich auf Platz neun abfallen und sich somit nicht für die Euroleague qualifizieren. Glück für Werder Bremen. Ebenso wäre Wolfsburg einer Relegation entgangen und recht sicher mit 4 Punkten Vorsprung auf dem 14. Rang gelandet. Wen hätte es also getroffen? Richtig! Den HSV, natürlich. Die Zahl in Klammern hinter der Punktzahl gibt die erreichten Bonuspunkte in diesem Modus an. Insgesamt hätten 17 erreicht werden können. Primus ist hierbei mal wieder der FC Bayern, der mit 16 Punkten fast alle Bonuspunkte einheimst und somit nur einen Bonuspunkt an Hoffenheim abgeben muss.

2. Die Rugby Tabelle

Im Sommer vor zwei Jahren haben mich und meine Frau die Spiele der Rugby-Union-Weltmeisterschaft in England sehr begeistert. Dieser Sport barg auf der einen Seite eine schier unendliche Liste von zunächst unverständlichen Regeln aber auch die kämpferische Eleganz und unbändige Willenskraft einer Straßenkeilerei. In diesem Sport war noch was los, weitab von schnöder Arroganz und eingeschlafenen Abläufen. Und dies schlug sich auch in der Art und Weise wieder, wie der ganze Turniermodus, genauer die Vergabe der Punkte abspielte. Sollte eine technisch und
athletisch unterlegene Mannschaft ihrem favorisierten Kontrahenten eine knappe Niederlage abringen können, wurde dies mit Bonuspunkten belohnt. Wurde generell in dem Spiel auf taktische
Geplänkel verzichtet und offensiv gespielt wurde dies nicht nur mit einem Spektakel im Stadion sondern auch mit Bonuspunkten belohnt. Dies hatte ich mir für den Fußball auch gewünscht.
Eine weitere Alternative wäre also eine Tabelle nach Rugby Wertung. Hier habe ich die traditionelle Wertung von Rugbyspielen im Weltmeisterschaftsmodus versucht auf ein Fußballspiel zu übertragen und bin auf folgendes Punktevergabesystem gekommen:
  • Für einen Sieg erhält die Mannschaft 4 Punkte
  • Für ein Unentschieden beide Mannschaften 2 Punkte
  • Für eine Niederlage erhält eine Mannschaft 0 Punkte (abgesehen von möglichen
  • Bonuspunkten)
  • 1 Bonuspunkt erhält eine Mannschaft für 3 oder mehr erzielte Tore
  • 1 Bonuspunkt erhält eine Mannschaft bei einer Niederlage mit einem Torunterschied.
So würde also einen Mannschaft ebenso 2 Punkte für ein 0:0 Unentschieden als auch für eine 3:4 Niederlage erhalten. Wie abzusehen war haben traditionell offensivere Mannschaften in dieser Tabelle einen Vorteil, da sie eher mehr erzielte Tore belohnt als Gegentreffer bestraft. Nichtsdestotrotz wurden Mannschaften, die immer mal wieder eine ordentliche Klatsche abbekamen in diese Tabelle heruntergereicht. Größter Nutznießer dieser Tabelle ist Bayer Leverkusen, die ganze fünf Plätze nach oben klettern und somit den 7. Rang, also einen Euroleague Platz erreichen. Verlierer dieser Tabelle sind Berlin und Freiburg, die ins Mittelmaß abfallen. Und wer steht auf dem Relegationsplatz? Ach ja, der HSV!

3. Die niederländische Periode (Hähä)

Unlängst hat auch die 11-Freunde Redaktion auf die immer wahnwitzigeren Regeländerungen reagiert und diesbezüglich einen Artikel herausgebracht. Dort wird beschrieben, dass die Saison der
zweiten niederländischen Liga in einer Art Periodensystem aufgeteilt wird, es also quasi während einer Saison verschiedene Zeitabschnitte gibt, in denen man eine Periode gewinnen kann. Wer eine Periode gewinnt kommt in die Playoffs für den Aufstieg. Sollte ein Teilnehmer zweimal eine Periode gewinnen, rückt beim zweiten Mal die zweitplatzierte Mannschaft dieser Periode nach. Oha, da wird man ja noch ganz rahmdösig und so richtig gut erklären kann man es auch nicht. Vielleicht wird es an den konkreten Beispielen, nämlich der zurückliegenden Bundesligasaison deutlicher. Für diese Simulation habe ich die letzte Saison (nicht ganz gleichmäßig aufgrund der hierfür ungünstigen Teilnehmerzahl) in sechs Perioden unterteilt. Periode eins erstreckt sich von Spieltag 1 bis 5, Periode zwei von 6 bis 12, Periode drei von 13 bis 17, Periode 4 von 18 bis 23, Periode 5 von 24 bis 29 und Periode 6 von 30 bis 34. Jede Periode stellt eine eigene Tabelle dar. Der Sieger einer Periode kommt in die Playoffs für die 3 Championsleague Startplätze, 1 Championsleague Qualifikationsplatz und die beiden Euroleague Plätze. Ein etwaiger dritter Euroleagueplatz durch den bereits Qualifizierten Gewinner des DFB Pokals würde dann durch die Gesamtplatzierung ermittelt und würde in diesem konkreten Fall den 1.FC Köln betreffen. Ebenso nimmt jeder Letztplatzierte einer Periode an der Abstiegsrelegation teil. Sollte sich eine Mannschaft zweimal für die Qualifikations-oder Relegationsrunde qualifizieren, rückt die jeweils beste bzw. schlechtere
Mannschaft einer Periode nach. Dies gilt ebenso für eine Abstiegsrelegationsmannschaft, die sich ebenfalls für eine Qualifikationsrunde qualifiziert hat. Ebenso kann keine Mannschaft, die sich für die Qualifikationsrunde qualifiziert hat für die Abstiegsrunde qualifizieren.
Huiuiuiuiui….
Periode 1
Nach den ersten fünf Spieltagen ist Periode 1 beendet. Wie zu erwarten haben sich die Bayern souverän für die Qualifikation für die Europapokalplätze qualifiziert. Der erste handfeste Skandal:
Schalke 04 muss in die Abstiegsrelegation. Es sei denn, sie schaffen es noch eine der kommenden fünf Perioden zu gewinnen und somit an der Qualifikationsrunde für die Europapokalplätze teilzunehmen. Dann würde der FC Ingolstadt als siebtzehnter in die Relegationsrunde nachrücken.
Periode 2
Um ein Haar hat der FC Schalke die Rettung verpasst. Hätten sie RB Leipzig hinter sich gelassen, müssten sie jetzt nicht an der Abstiegsrelegation teilnehmen sondern könnten um Europa kämpfen. Ebenfalls erstaunlich: Der FC Bayern nimmt sich eine kleine Auszeit. Kann er aber machen, da er sich ja schon qualifiziert hat. Dadurch nimmt nun RB Leipzig nach einer Bärenstarken Serie ohne Niederlage oder Unentschieden an der Europa Qualifikation teil. Und der HSV? Tja, der muss mal wieder in die Relegation.
Periode 3
Hier kann man sehr schön die Regel des Nachrückens erkennen. Die Bayern und Leipzig sind bereits qualifiziert, so dass Hoffenheim als drittplatzierte Mannschaft nachrückt.
Periode 4
Und hier nun das Nachrücken für die Relegation. Darmstadt hatte es bereits in Periode Vier erwischt. Daher muss nun der VfL Wolfsburg (wie in der realen Saison) in die Relegationsrunde.
Periode 5
 
Hier wird Werder Bremen für seine bärenstarke Serie ohne Niederlage belohnt. Nicht so in der realen Tabelle. Ihnen reicht in diesem System ebenso wie der Borussia aus Gladbach eine starke Periode von einer sonst sehr unterdurchschnittlichen Saison.
Periode 6
Unglücklich oder Konsequent? Als zweiter Nachrücker muss der FC Ingolstadt doch nochmal in die Relegation, obwohl sie in den Perioden vorher immer wieder kann daran vorbei gekommen sind. Ähnliches gilt für den BVB. In der letzten Periode schaffen sie es als Nachrücker in die Qualifikation für Europa zu kommen. Häufig genug waren sie oben dabei, dennoch hat es erst im letzten Anlauf gereicht.
Qualifikationsrunde für Europa
In dieser Runde treffen die qualifizierten Teams aus den 6 Perioden in jeweils einem Hin- und Rückspiel aufeinander und ermitteln, in welches Turnier (respektive Qualifikation) es in die kommende Saison geht. Ich hab mich hierbei erneut von den Ergebnissen der letzten Saison bedient. In diesem Beispiel zeichnet sich nochmal ein spannendes Titelrennen an, mit den punktgleichen Bayern und Dortmundern. Ein wahres Herzschlagfinale!
Relegation für die zweite Liga
Spektakuläres geschieht derweil in der Relegation zur zweiten Liga! Der FC Ingolstadt kann sich durch einen Kraftakt doch in der ersten Bundesliga halten, während die Traditionsklubs Schalke (!) und Hamburg (!!!!!!!!) den Gang in die zweite Liga antreten müssen.

Vom Fallen und Leiden: Schauspielerei und Fallsucht als taktisches Mittel

Da fällt wieder einer. Kaum berührt vom kleinen, wuseligen Offensivspieler des Gegners. Dennoch krümmen sich muskelbepackte zwei Meter Innenverteidiger auf dem grünen Rasen, augenscheinlich unter unerträglichen Schmerzen. Ein Pfiff, eine Karte, ein Unverständnis ausdrückender Blick. Der Referee winkt, die Sanitäter rücken an. Es wird getuschelt, gesprayt, die Trage ist dann doch nicht nötig, und der verletzte Spieler wird langsam humpelnd vom Feld geführt. Dann folgen etwa null komma zwei Sekunden, in denen eine Wunderheilung vollzogen worden sein muss, denn der eben noch behandelte Spieler möchte umgehend auf den Platz zurück. Als der Schiedsrichter ihm die Rückkehr schließlich gewährt, ist von Einschränkungen des Bewegungsapparates nichts mehr zu sehen. Warum, fragt man sich, arbeiten solch herausragende Mediziner im Sportbereich, und haben nicht schon längst Krebs geheilt oder ähnliches? Oder steckt doch etwas anderes dahinter?

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